Tatis Reisetagebuch
19.03.2003
Thailand - Inselhopping in Thailands Sueden

Frueher Morgen, wunderschoen, milde 25 Grad, leichte Meeresbrise. Die Sonne
kommt langsam ueber den Berghang und taucht den Strand vor mir in ein
goldgelbes Licht. Vor meiner kleinen Huette malen Palmen, Strand, Strandbar und
das tiefblaue Meer ein Bounty-Bild. 10 stelzerne Bambus-Huettchen stehen in
einer Reihe mit Blick zum Meer, ein paar Chalets und das Restaurant erstrecken
sich nacht rechts, im Hintergrund tiefes, bergiges Dschungelgruen. Ausser
diesem uebersichtlichen Resort soll es auf Ko Muk noch 6 weitere Resorts geben –
von hier aus kaum zu glauben, dass sich die Welt ueber diese paar Quadratmeter
Verlassenheiten hinaus erstrecken koennte. Local people sammeln die
Ueberbleibsel der letzten windigen Nacht in grosse Bambussaecke: Blaetter,
Algen, Korallen - es soll an jedem Tag so schoen sein, jungfraeulich,
unberuehrt. Bis die meisten ausgeschlafen haben, wird es auch so sein.
Longtailboats liegen duempelnd im Wasser, die Sonne malt langsam die Schatten
der Palmen in den Sand. Ruhe kehrt in die Reiseseele und Entspannung, Rast von
den vielen Eindruecken und Standortwechseln!

Gestern Nachmittag sind wir auf Ko Muk gelandet, ein winziges Inselchen im
Andaman Sea an der Suedwestkueste Thailands. Mit dem Bus um 5 Uhr von Penang
gestartet, ueber die Grenze weiter nach Trang, Umstieg in den naechsten Bus,
weiter an die Kueste, Longtailboat 2,5 Stunden in die traumhafte Einsamkeit.
Trotz des fehlenden Einreisestempels von Malaysia war der Grenzgang problemlos –
da gab es eben zwei Stempel.

Neben Entspannung soll dies meine erste Schnorchelerfahrung werden. Ein -
Tagesprogramm mit dem Boot. Fisher village, Coconut Beach, Cave diving und
snorkeling. Die Grundzuege des Schnorchelns sind schnell erlernt und schon geht
es hinein ins Vergnuegen. Die ersten Minuten habe ich noch mit dem richtigen
Atem-Paddel-Guck-Rhythmus zu kaempfen. Atmen, Wasser in der Maske, wieder hoch,
Wasser raus, Wasser im Schnorchel (paeh!), wieder hoch und Schnorchel leeren,
runter und staunen, Wasser wieder in der Maske … Die Intervalle unter Wasser
werden laenger und laenger, bald schon kann ich mich auf Unterwasserwelt
konzentrieren, und die ist einfach irre! Kopf runter und hinein in den dumpf-
tauben Wattebausch voller bunter, fliessender, glitzernder Farben. Schwaerme
von gelb-schwarz gestreiften, knall-gelb gepunkteten, blau-lila gebatikten,
kleine und mittelgrossen Fischen, schwebend und gleitend wie Zugvoegel in
empfindlichen Formationen, im Gleichklang nach rechts und links ausschwaermend
… Ich fuehle mich wie mitten in einem Aquarium, versuche den Bewegungen der
Fische zu folgen, strecke die Hand nach ihnen aus und scheine immer einen Hauch
hinter ihrer Heckflosse zu bleiben. Der Untergrund aendert die Struktur, erst
felsig, dann Korallenhaine, einige sandige Abschnitte, etwas matschig und dann
wieder Fels. Dazwischen Farben, leuchtend, strahlend, im Fluss, elegant
davonschwimmend, dann Wendung, zurueck und wieder in die Farbenpracht der
anderen eingereiht. Es ist ein wunderbares Gefuehl in dieser Leichtigkeit des
tragenden Wassers, fast schwerelos schwebend inmitten der Schoenheit dieser
Aquawelt. Fuer einige Minuten vergesse ich meine Angst vor Quallen und anderen
unbekannten Gespenstern der Tiefe und lasse mich einfach von der Stroemung mit
den Schwaermen treiben. Bald schon hat mich die Oberflaeche zurueck, weil die
kleinen, mistigen Quallen mich ueberall hinzwicken.

Wir schippern noch etwas durch die Gegend zu weiteren Schnorchelstellen,
erleben andere Farben, andere Fische unterschiedlicher Groesse und andere
Schnorchler. Ein Boot in unserer Naehe hat eine Gruppe moslemischer Schueler
geladen – jetzt fertig fuer den Schnorchelgang: in Hose, Kleid, Kopftuch, mit
Flossen, Lifejacket, Taucherbrille und Schnorchel bewaffnet rauscht das
Kleiderpaket ins Wasser, wild strampelnd, Nichtschwimmer …. Es ist ein
herrliches Bild, fast ebenso fesselnd wie die Reize unter Wasser. Drei Maedels
geraten in Seenot; die nun nasse Montur wird fuer die Lifejacket zu schwer,
ringen, strampeln und schliesslich fischt sie unser Bootsmann aus dem Wasser.
Wie wir spaeter erfahren gehoert Schwimmen hier durchaus nicht zum
Allgemeingut. Die meisten Asiaten koennen nicht schwimmen und gehen zumeist
vollstaendig begleidet ins Wasser. Unsere Form der Badekultur ist ihnen eher
unbekannt.

Der Nachmittag und der Abend plaetschern so dahin. Ich kuriere meinen vom
Schnorcheln davongetragenen Sonnenbrand auf Ruecken und Waden und vergrabe mich
in meine deutschsprachigen Buecher – wie angenehm Muttersprache sein kann!

Drei Tage bleiben wir auf unserem beschaulichen, uebersichtlichen Stueck Insel,
bevor e suns weiter nach Ko Phi Phi zieht. Mit Boot nach Ko Lanta, weiter im
Pickup ueber die Insel, wieder Boot weiter nach Ko Phi Phi heist mal wieder
fast eine Tagesreise. Viel grosser, touristischer und kommerzieller als unser
vorheriges Einod einige hundert Kilometer suedoestlich. Da wir wie immer keine
Unterkunft reserviert haben, trotten wir an der Promenade entlang. Ueberall
bietet man uns “accommodation, cheep guesthouses, hotels, come see, good price
…” Wir sind verwoehnt, suchen aehnlich Urspruengliches, wie wir es gerade
verlassen haben. So trotten wir mit unserem Gepaeck verschwitzt, muede durch
die Hitze einer gnadenlos froehlichen Sonne. Die winkenden bunten Angebote, die
uns unter die Nase geschoben werden, lehnen dankend ab. Wir suchen weiter,
immer am Strand entlang, 1, 2, 3 Kilometer, ueber Felsen an der Kueste entlang,
streckenweise durchs Wasser, hoch ueber den Felsvorsprung bis unsere Muehe
endlich belohnt wird. Am Ende von Long Beach stossen wir auf ein recht kleines,
urspruenglich gehaltenes Resort mit einem kleinen Strand, etwas abgelegen, sehr
privat, welcome to Maprao Resort! Unser Programm unterscheidet sich nicht
wesentlich von den Tagen auf Ko Muk, d.h. Entspannung, Spaziergaenge, Lesen und
natuerlich Schnorcheln. Leider ist die Anreise mit unserem Longtailboot auch
eher eine Magenprobe. Das Meer ist bewegt, unruhig walkt es sich im Meeresbett
hin und her, der Schiffsverkehr tut sein Uebriges, um die Wassertaeler noch
tiefer zu treiben. Unser Boot schiesst mit dem Bug steil nach oben ab, saust
hinunter und schlaegt krachend in ein Wellental, bevor es von der naechsten
Welle wieder nach oben betrieben wird. Ich sitze vorne auf dem Boot, halte mich
verkrampft fest, weil ich glaube, die Bootsnase so ruhiger halten zu koennen.
Weit gefehlt, schnelle mit dem Bug hoch und schlage kurz nach ihm auf die
betonharte Wasseroberflaeche. Unser Bootsmann findet das alles ziemlich lustig,
dann kann es ja so schlimm nicht sein. Nur mein Magen ist irgendwie anderer
Meinung ;-) Die Fischbestaende sind hier noch vielseitiger, umfangreicher und
beeindruckender als auf Ko Muk und entlohnen in den ersten Momenten fuer die
harte Anreise. Leider beissen hier auch die miesen Quallen noch fester zu. Man
fuehlt sich, als schwimme man durch ein Nagelbett. So kehren wir also nach
verschiedenen Versuchen wieder zurueck ins mittlerweile zurueckgezogene Meer.
Die Tiede ist hier recht stark und bei Ebbe kann man von unserem kleine Ressort
durch das Watt zum Ort schlendern. Fuer zwei Tage geniessen wir Meer, Sonne,
Strand und Ruhe, bevor es mich an die Ostkueste Thailands zu meiner Fastenkur
treibt.