Tatis Reisetagebuch
30.03.2003
Ko Samui - Fastenkur auf Thailands groesster Insel
Es schien alles so klar und relative einfach: von Ko Phi Phi nach Krabi mit dem
Boot, dort weiter mit dem Bus nach Suratthani, schliesslich Faehre von
Suratthani nach Ko Samui. Und am Ende bin ich auch im Spa Ressort auf Ko Samui
gelandet - nach abenteuerlichen Zwischentransfers auf dem Ruecksitz einer
gebrechlichen, aechzenden Suzuki eines 70-haehrigen Mopedfahrers, den schweren
Rucksack auf dem Ruecken, den kleine vorne zwischen seinen Beinen, mitten durch
den 3-spurigen, organisch fliessenden Hauptverkehr von Suratthani :-)

Fastenkur, Meditation und Yoga – eine wunderbare Kombination! Hier ist der
richtige Platz dafuer, weicher Sandstrand, mildes Meeresklima, einfache
Bambushuettchen und ein professionelles, darauf spezialisiertes Umfeld. Die
Atmosphaere ist ruhig, gelassen, entspannt, geradezu abwartend, gemaechlich und
groesstenteils leise. Nur das Schluffen der z.T. schweren Schlappen an den
eigentlich so zierlichen Fuessen der Thais wirken wie eine Rutschpartie auf
Schmiergelpapier, schluff-schlaff, schluff-schlaff. Auch der von der Strasse
herueberschwappende Motoren- und Abrolllaut befremdet die Stimmung und stoert
die konzentrierte Stille. Meine kleine, bescheidene Huette direkt am Strand ist
ausreichend komfortabel und mit seinem grossen, von einem Moskitonetzhimmel
umgebenen Bett geradezu romantisch. Das Bad ist gefliesst, es hat ein
Waschbecken und einen Duschkopf ! Auf den Bambustischen im Restaurantbereich
und den mittlerweilen schwarz angelaufenen, ehemals weissen Plastiktischen und –
stuehlen im Sand sitzen Gaeste vor Fruchsaeften oder saftigen, bunt einladenden
Gemuese- und Salattellern, gruen-schaumigen Suppen und huebsch arrangierten
Obstschalen. Die Stimmung ist bedaechtig, das Essen wird bewusst, konzentriert
und genussvoll langsam Happen fuer Happen in den hungrigen Mund manoevriert als
handle es sich um Goldstuecke. So also ist man nach 7 Tagen Fastenkur!? Eine
Fastende an ihrm 7. magischen Fastentag bleibt mit weit aufgerissenen Augen wie
angewurzelt vor meinem Gemueseteller stehen, lobt mehrmals die Schoenheit des
Anblicks der leicht angegarten Moehren, Bohnen und Kohlblaetter, waehrend sie
wahrscheinlich unter groesster Konzentration die sich sammelnden Baeche von
Speichel in ihrem Mund zurueckzuhalten versucht. Mein Angebot, es probieren zu
koennen, reisst sie aus ihrer Trance und versetzt sie geradezu in einen
veraergerten Schrecken – wie ich sie nur so quaelen koenne! Nun, nach eigener
Erfahrung kann ich nun mit etwas Abstand sagen: es gibt solche und solche und
gluecklicherweise war dieses Erlebnis eher ein exaltierter Ausreisser.

Ich goenne mir einen Vorbereitungstag mit Fruchtsaeften und vegetarischem
Essen, bevor ich in das 7-taegige Fastenprogramm einsteige. Die Qualitaet der
Kueche ist wirklich ausgesprochen gut, so dass man auch einen Aufenthalt
wahlweise ohne Fastenkur oder einer verkuerzten 3 taegigen Kur waehlen kann.
Die 7-taegige Fastenkur kostet 260 US$ und umfasst fuer jeden der 7 Tage 5 x
Supplements (Kraeuterpraeparate), 5 x Detoxdrinks, 2 x Colima (Darmreinigung).
Daneben kann man im Spa Ressort Dampfbaeder machen (empfehlenswert zur
taeglichen Ausscheidung von Giftstoffen auch ueber die Haut), verschiedene
Arten von Massagen geniessen, an Yoga, Meditation und Chi Gung teilnehmen. Alle
diese Aktivitaeten kosten jedoch extra, so dass man am Ende doch ein deutlich
hoeres Budget benoetigt, als anfaenglich geschaetzt. Und natuerlich kann man
(kostenlos) wunderschoene Strandspaziergaenge machen, schlafen (sehr, sehr
viel), TV schauen, lesen …

Habe mich innerlich recht gut auf die Fastenkur vorbereitet – neben der
ernaehrungstechnischen Vorbereitung eine wichtige Grundvoraussetzung fuer eine
gute Fastenkur. Die Kraeuterpillen fuellen meinen Bauch derart, dass kein
richtiges Hungergefuehl aufkommt. Am ersten Tag ist es mehr die Gewohnheit und
die Lust zur Nahrungsaufnahme, als ein richtiges Hungergefuehl. Ich fuehle mich
etwas muede und schwaechlich – ein Gefuehl, das mich in den naechsten Tagen
begleiten wird. Leider habe ich von Matthias einen kleine Husten geerbt, so
dass ich an der Meditation wegen der staendigen Hustenunterbrechungen nicht
teilnehmen kann. Dafuer bin ich aber eine eifrige Teilnehmerin bei den wirklich
ausgezeichneten, aber auch sehr, sehr anspruchsvollen Yogaklassen. Die Lehrer
wechseln innerhalb einer Woche fast taeglich und sind zu meinem Erstauenen
ausnahmslos aus dem Westen, was in keinster Weise ihre Dehnfaehigkeit und
Spiritualitaet einschraenkt. In den 1 Stunden des Kurses leben sie wie
Gummipuppen mit elegenter Leichtigkeit die ausladenden Uebungen vor, die ich so
gut es geht nachzumachen versuche. Ich versuche der Dehnung die Herausforderung
abzugewinnen, mit der Konzentration auf die Atmung den Schmerz zu vergessen und
mich um mich selbst zu winden und zu drehen.

Danach folgt die Darmspuelung. 16 (!) Liter Essigwasser fliessen gemaechlich in
meinen Koerper, fuellen langsam die Gedaerme. Nach den ersten Litern bekomme
ich Sorge, ich muesse platzen. Wohin mit der Fluessigkeit? Mein Bauch schien
zerplatzen zu wollen, meterweise Gedaerme wuerden sich glibbrig, leicht rosa
ueber das Badezimmer verteilen, blutlos, uebelriechend, paeh! Doch die Natur
findet ihren Weg, so dass ich mich schliesslich entspannen und den Akt der
inneren Saeuberung geniessen konnte. Die Vorstellung, sich von den Giftstoffen
der Jahre befreien zu koennen, beruhigt, motiviert und hat auch einen
reinigenden mentalen Effekt. Die Taktzahl der Aktivitaeten ist hier so hoch,
dass man gar nicht dazu kommt, Langeweile, Hunger oder Zweifel zu empfinden.
Alle 1 Stunden erfolgt entweder die Einnahme von Supplements, der Detoxdrink
oder die Colima. Dazwischen vielleicht noch eine Bruehe, einen Liverflush, ein
Dampfbad oder eine Massage und der Tag ist randvoll mit Aktivitaet.

Jeden Tag das gleiche Spiel und doch muss ich immer wieder auf meinen Plan
schauen, was ich wann machen muss, bis zum letzten Tag! Meine Hirnkapazutaet
laest in den 7 Tagen konstant nach. Ich habe Muehe, den Unterhaltungen der
Gaeste aus unterschiedlichen Laendern auf englisch zu folgen, vergesse Woerter,
Zeiten und bin reaktionslahm. Mein Koerper schaltet einige Stufen zurueck,
braucht Ruhe, Schlaf, Ruhe, Schlaf …. Abgesehen von dieser mentalen Talfahrt
geht es mir jedoch sehr gut. Ich geniesse den Reinigungsprozess in vollen
Zuege, mache mir mit jedem Moment bewusst, dass ich mir etwas Gutes tue und
habe keinen Moment Zweifel an der Entscheidung. Mein persoenlicher Tagesrhytmus
besteht aus dem morgentlichen Yoga, dem nachmittaeglichen Dampfbad und
anschliessender Massage und natuerlich dem Standard Programm. Daneben schiebe
ich an einigen Tagen eine einsame Chi Gong Runde am Strand, Strandspaziergang
(wenn es nicht gerade regnet, wie so oft in diesen Tagen) und Schwimmen im
Meer. Die Anlage verlasse ich eigentlich waehrend der ganzen Zeit nicht. Jeder
Tag bringt mehr Zufriedenheit, Ruhe und Reinigung. Essen fehlt mir nicht,
Speisende im Restaurant irritieren mich nicht. Kann neben ihnen sitzen ohne
Unwohlsein. Mein Wille und Geist wird staerker, mein Koerper langsam aktiver
und energetischer. Am Ende meiner Fastenkur fuehle ich mich rundum wohl,
leichter, sauber, gereinigt, willensstark, diszipliniert, unverletzbar fast –
ein neuer Start als Geschenk. Wuerde ich es wieder machen? Ja unbedingt!!!

Anders als erwartet war das Fastenprogramm kein grosser Kampf fuer mich.
Vielleicht aufgrund einer guten mentalen Vorbereitung aber sicherlich auch
aufgrund der motivierenden Rahmenbedingungen. Die Einnahme der Detoxdrings und
der Kraeutertabletten sind sehr saettigend, was das Hungergefuehl unterbindet.
Durch den engen zeitlichen Rhythmus des Programms ist man ausreichend
beschaeftigt, so dass man nicht die Zeit todschlagen muss. Die Gemeinschaft
Fastender hilft natuerlich durch den Austausch ueber den einen oder anderen
schwachen Moment hinweg. Deutliche Gewichtsabnahme ist fuer einige schon Grund
genug, sich der Herausforderung zu stellen. Aber vor allem die Ausscheidungen,
das organische Zeugnis all der innerlichen Verschmutzungen, haben mir die Tage
sehr erleichtert und einen hohen Motivationseffekt gehabt. Auch das angenehm
gestaltrahme Rahmenprogramm mit Massagen, Yoga etc. geben einem den Eindruck,
etwas Gutes fuer sich zu tun. Und an einem Strand direkt mit Meerzugang laesst
es sich natuerlich auch besser verweilen als moeglicherweise an einem
regnerischen Tag in Koeln. Ideale Bedingen also, die eine ernaehrungslose, aber
ausgesprochen bereichernde Zeit ermoeglichen. Ettliche Kilo leichter kann ich
mich nun also in die Suedostasiatischen Abenteuer stuerzen, in das
phantastische Essen, die betaeubenden Gerueche und leuchtenden Farben :-)