Tatis Reisetagebuch
05.04.2003
Thailand - Typisch Thai
Religion:
Buddhismus ist in Thailand allgegenwaertig, sei es in Form von Gebetsstaetten,
in der Handwerkskunst, im Alltagsleben der Menschen und in ihrer Mentalitaet.
Ueberall Wats (thailaendische Tempel) und Standaltaere am Strassenrand.
Opfertische gefuellt mit Bananen, Obst, Eiern und Kuchen fuer einen hungrigen
Buddha am Morgen vor der Arbeit liebevoll von den Thais mit Blumenarragements
und Raeucherkerzen arrangiert. Bis zum Abend wird Buddha die Opfergaben
verspeist haben, so jedenfalls scheint es. Gebetszeit ist wann immer ein
Buddhist Zeit und Musse hat, denn es ist ein individuelles Gebet. Ginge es
streng nach Buddha, handelte es sich mehr um eine Meditation und Atemuebung als
um Gebet oder Preisung, aber das verschwimmt wohl im Laufe der Jahrhunderte.

Die Wats beherbergen eine grosse Kuppel im Inneren der Anlage, bewohnt von
einer Vielzahl kleiner und groesserer Buddha-Statuen, sehr kunstvoll und
reichlich verziert mit Gold, umgeben von pastellfarbenen Mosaiken, die von
Leben und Erleuchtung Buddhas erzaehlen. Von den Statuen strahlt in
verschiedenen Stilen die Ruhe, die Sanftmut und Guete, die Erfuellung, Waerme
und der Frieden eines erleuchteten Buddhas. Es ist dieser Gesichtsausdruck, der
den Kern des Buddhismus zum Ausdruck bringt. Der Weg dorthin, der Weg zur
Erlaeuchtung und schliesslich ins Nirvana fuehrt ueber strenge Meditation.

Die Lehre Buddhas ist mehr eine pragmatische Anleitung fuer die Meditation, die
Atmung und die Gestaltung des Lebens. Diesem Weg folgen viele junge Thais
speziell in den zahlreichen Kloestern. Es ist der grosse Stolz einer jeden
Familie, den Sohn als Moench in einem Kloster zu wissen, wenn auch nur
voruebergehend. Moench sein ist durchaus keine Entscheidung fuers Leben, viel
haeufiger eine Art ausgedehnter Besuch. Bereits kleine Jungs werden als Novizen
fuer eine Woche oder einen Monat ins Kloster geschickt. Ein Grossteil von ihnen
wiederholt dies nach der Schulzeit. Manch einer bleibt denn auch ganz dort.
Moench sein ist fuer manche eine bequeme Entscheidung (so munkelt man), denn
man erspart sich das Arbeiten. Wenn sie am fruehen Morgen mit ihren Bowlen
durch die Strassen streifen, sammeln sie Gaben (Essen und Geld) von den vielen
dankbar und bewundernden Glaeubigen ein. Einige nehmen es sehr genau mit den
eigentlich strengen Regeln der Kloester, doch auch hier menschelt es! Das
Spektrum ist breit, herrlich heterogen und von den Thais allenfalls belaechelt,
kaum jedoch kritisiert. Es hat etwas von der Koelschen Gelassenheit: Lebet die
Andersartigkeit! Toleranz und Offenheit gegenueber Fremd- und Andersartigem ist
denn auch typisch fuer die Thais und sicherlich einer ihrer angenehmesten Zuege.

Essen:
Die thailaendische Kueche gilt als eine der besten und ist sicherlich die
schaerfste Suedoestasiens. Knoblauch, Chilli, Ginger und Curry zaehlen zu den
Hauptgewuerzen der Thaigerichte und vermoegen auch hartgesottene Zungen in
Brand zu setzen. Beruehmt sind die thailaendischen Suppen, starke Bruehen
versetzt mit kurz angegartem Gemuese, Nudeln, ggf. einem durchgelaufenen Huhn,
Fisch oder Schwein – ein hervorragender, wohltuender Start in den Morgen!
Gegessen wird mit Loeffel und Gabel, wobei die Gabel lediglich zum arrangieren
und schieben des Essens gedacht ist, der Loeffel fuehrt mit der rechten Hand
den Happen zum Mund. Hoeflich ist es, immer einen kleinen letzten Happen auf
dem Teller zu belassen.

Essen ist ueberall und zu jeder Tages- und Nachtzeit zu haben, von den vielen
kleinen fahrbaren Kuehl-Rikshas mit ihren wunderbar mundgerecht
aufgeschnittenen Ananas, Aepfeln, Jackfruits und Melonen, ueber die Gar-Rikshas
mit kurz gebratenen vegetarian noodles ueber die hunderte kleinster Garkuechen
am Strassenrand, die ein bis drei Gerichte fuer ca. 1-2 Dollar anbieten.
Natuerlich gibt es auch Restaurants verschiedener Qualitaet und Preisklassen,
doch durch den Thaimagen gehen i.d.R. die Gerichte der Strassenkuechen. An
kleinen Tischen kann man 5 Minuten nach Bestellung das frisch zubereitete,
schweisstreibende Curry oder die waermende Suppe in sich hineinschluerfen.
Hygienische Verhaeltnisse sind hier anders, gewoehnungsbeduertig und sicherlich
im Dunkeln angehnemer als bei Licht. Pingelig sollte man jedenfalls nicht sein
und auch das ein oder andere Krabbeltier sollte einen nicht schrecken. Gebacken
gelten sie uebrigens als Delikatesse, Grashuepfer, Wuermer, Kaefer, da bleibt
kein Wunsch offen. Habe mehrmals vor diesen gebackenen, leblosen Tierchen
gestanden, doch zugreifen konnte ich noch nicht. Wer nicht warten und sitzen
kann, nimmt sein Essen oder sein Getraenk einfach in einer Tuete mit – eine
preiswerte und allemal umweltfreundlichere Einrichtung als Styroporpakete. Der
Tee kommt in die Tuete, ein Strohhalm rein, oben zugeschnuert und fertig ist
das take-away Getraenk.