Tatis Reisetagebuch
03.03.2003
Singapore - Erste Eindruecke aus einer etwas anderen Welt
Ist Singapur tatsaechlich so sauber? Ja, das ist so!
Und daneben ist Singapur auch vielseitig und interessant, sehr westlich
und wiederum so asiatisch, sehr reich an Geld (eine der 10 reichsten
Laendern der Welt) und arm an nuztbarem Wasser, multikulturell mit
starker asiatischer Dominanz (Chinesen, Malayen und Inder), tropisch
unterm Himmel und kuehl in den Gebaeuden, politisch streng gefuehrt
und religioes so tolerant.

Ich wohne hier bei meiner Freundin Mette, die mit ihrem Mann und ihren
beiden Kindern seit 3 Jahren in Singapur lebt. Sie leben hier, wie die
meisten Expatriats, in einem wunderschoenen und konfortablen
condominium mit angeschlossener Poollandschaft, Fitnesscenter,
Tennis- und Squashplaetzen und einem Golfabschlag. Es gibt einen
kleinen Supermarkt, Kinderspielplaetze und eine Reinigung - wie eine
eigene kleine Welt mit Selbstversorgung. So koennen fuer mich die
feucht-warmen Tage mit einem erfrischenden Bad in der herrlichen
Poollandschaft beginnen. Morgens habe ich den Pool fast fuer mich
alleine. Erst am Nachmittag fuellt sich die Badelandschaft mit Eltern,
Kindern und ihren Maids. Eine Maid fuer Kinder und Haushalt zu haben ist
hier durchaus kein absolutes Privileg, sondern eher ueblich. Ophelia,
Mettes philipinische Maid, ist eine zauberhafte Kinderfrau und eine wahre
Hausfee. Die Einstellungen und vertraglichen Regelungen von Maids
laeuft in Singapur ueber die jeweiligen Landesbotschaft, die auch die
Rahmenbedingungen fuer Gehalt, Unterkunft und Arbeitsumfang
vorgeben.

Mette hat mir liebenswuerdigerweise einen Stadtplan gegeben, in dem
sie bereits die interessantesten Plaetze markiert hat. So bin ich also in
den naechsten Tagen mit meinem kleinen Daypack gefuellt mit einer 1,5 I
Wasserflasche, Fotoapparat, Moskitospray und Sonnencreme
losgezogen und habe meinen ersten Eindruecke gesammelt

Wetter: tropisches Klima mit relativ geringen Schwankungen. Wir
befinden uns gerade am Ende der Monsumzeit, hin und wieder entlaedt
sich der Himmel und ein Wasserschwall ergiesst sich urploetzlich von
oben. Danach ist es wieder gewohnt warm (im Schnitt ca. 30 Grad) und
feucht. Hier schwitzt man bereits ohne viel zu tun wenigstens draussen.

Klimaanlagen scheinen so etwas wie ein Statussymbol des Wohlstands
zu sein. Sowohl in Gebaeuden wie auch Taxen laufen die Anlagen auf
Hochtouren und beschehren kuehle bis kalte Luft z.T. eine Wohltat,
wenn man aus der feuchten Waerme von draussen hereintritt. Nur der
Wiederaustritt in die Atmosphaere ist dann jedesmal ein warmer
Hammer. Das haeufige Wechselspiel von warm nach kalt und wieder
umgekehrt ist gar nicht so ohne. Verschwitzt von draussen tritt man ins
Kuehle, froestelt ein wenig. Kaum wieder draussen rennen wieder die
Sturzbaeche eigenen Kondeswassers in den Ruecken. Also Vorsicht ist
geboten und ein Hemd sollte man in der Tasche doch immer dabei
haben.

Architektur und Gebaeude: so vielseitig und unterschiedlich die Kulturen
Singapurs, so variantenreich ist auch die Architektur. Wohin man schaut
fuegen sich hohe, moderne Skyscraper zu einer beeindruckenden Skyline
zusammen. Hier und da zwischen den Hochhaeuserblocks formen
standhafte Inseln traditioneller Kulturen ein eher exotisches Bild: little
India im Norden und China Town im Sueden des Zentrums sind ganz im
traditionellen, bunten Baustil ihrer Kulturen gehalten. Hier wimmelt es von
Chinesen bzw. Indern und der sonst so multikulturelle Eindruck der Stadt
scheint in diesen typischen Vierteln teilweise verloren zu gehen.

Menschen: bunt gemischt aus vielen insbesondere asiatischen
Regionen. Der Grossteil der Einwohner stammt aus China (die
Geschaeftstuechtigste), Malaysia und Indien. Die Menschen hier sind
ausgesprochen hoeflich, hilftsbereit, zugaenglich, interessiert und einfach
zuvorkommend. Ein menschlich sehr angenehmes Pflaster. Dazu eine
geradezu geringe Kriminalitaetsrate, die durch den insgesamt sehr
hohen Lebensstandard getragen wird. Die meisten Menschen
insbesondere asiatischen Ursprungs hier in Singapur sind
ausgesprochen schlank, geradezu filigran und feingliedrig, mit vollem,
glaenzendem schwarzen Haar. Ihre Kleidung ist zumeist sehr westlich,
eher klassisch schlicht in sehr gedeckten Farbtoenen. Schwung und
Farbe kommen speziell eher durch Inderinnen auf die Strasse. Die sind
dann auch immer eine wahre Augenweide, fuellen ihre Garderoben
zumeist auch anders aus als die Suedostasiatinnen.

Essen: absolut koestlich, vielseitig, gesund, nahrhaft, immer verfuegbar,
von sehr guenstig (ab 2,50 SGD) fuer traditionelle Kuechen bis zu
mittlerem und gehobenem Preisniveau fuer japanische und
europaeische Kueche. Traditionell ist man hier in den Food-Courts
entweder im Basement von Einkaufszentren oder draussen. Hier sind
viele verschiedene asiatische Garkuechen in engster Naehe aufgebaut,
man sucht sich von einem oder verschiedenen Staenden etwas aus und
isst dann an einem der freien Tische, die sich im Zentrum dieser
Food-Courts befinden. Das Essen ist hervorragend, typischerweise frisch
und schnell zubereitet und sehr, sehr guenstig. Dazu kann man sich von
einem Getraenkestand einen herrlich frisch gebressten Obstsaft (Mango,
Melone, Papaya, Banane, Organe, Zuckerrohr mit Lime, etc.) oder ein
teures, aber sehr schmackhaftes Tigers (Singapur-Bier).

In den Einkaufszentren finden sich haefig Geschaefte mit aehnlichen
Produktgruppen wieder. So gibt es z.B. im Funan-Center alles rund um
Kamera, Foto, Computer, Kabel, sonstige Datentraeger, etc. wieder. Das
macht das Auswaehlen und Vergleichen deutlich einfacher und die
Wahrscheinlichkeit ist gross, dass man das Gesuchte irgendwo in einer
der Geschaefte finden kann. Trotz des hohen Wettbewerbsdrucks
empfielt man hier auch gerne weiter, sollte das gewuenschte Produkt
gerade nicht vorraetig oder nicht im Programm sein. Aehnlich wie das
Funan-Center gibt es noch ettliche Centren dieser Art z.B. fuer Kosmetik,
Bekleidung, Sportequipment, usw. Die sog. Haupteinkaufsstrasse von
Singapur ist die Orchard Road ganz im Stile westlicher
Einkaufsstrassen, gesaeumt von Markenboutiquen und glitzernden
Einkaufszentren aller Art. Fuer den Besucher aus dem Westen sicherlich
ein eher vertrautes Bild mit dem Unterschied, dass hier 90%
mandelaeugig sind.

Politik und Kultur: Singapur wird von einem sehr pragmatischen und eher
strengen Staatsoberhaupt gefuehrt. Da die Bevoelkerungszahl recht
uebersichtlich ist (ca. 4 Mio. Einwohner), lassen sich viele Vorhaben auch
recht schnell umsetzen. Eines dieser Vorhaben war das Gaukummiverbot
fuer Singapur zur Vermeidung klebriger Strassenbelaege. Trotz Verbots
des Kaugummiwegwerfens kam es wiederholt zu Klebespuren, was
kurzerhand zum Verkaufsverbot von Kaugummi in Singapur fuehrte. Der
Fall ist eher representativ. Erkannte Probleme und Missstaende werden
umgehend angepackt, eine Loesung erarbeitet und umgesetzt. Das
macht sicherlich ein Stueck des Erfolgs und der Beweglichkeit Singapurs
aus. Dieser Fortschritt zeigt sich z.B. auch in dem seit 1987 bereits
bestehenden innerstaedtischen Maudszstem. Ueber eine im Auto
angebrachten aufladbaren Funkkarten wird bei Auffahrt auf die
Maudstrecke der faellige Betrag direkt von der Karte abgebucht. So
koennen je nach Verkehrsaufkommen die Maudgebuehren
belastungsgerecht angepasst werden, d.h. die Strasse ist zur Rushour
am teuersten, am Fruehabend jedoch kostenlos nutzbar.

So viel zunaechst zu den ersten Eindruecken. Beim naechsten Mal mehr
ueber Aktivitaeten in Singapur wie beispielsweise:
- Kochkurs im Fort Canning
- Fussreflexzonenmassage
- Night Safari
- Spaziergang am Hafen
- Rundgang durch die Viertel
- Sonstige Sehenswuerdigkeiten