Tatis Reisetagebuch
06.03.2003
Kuala Lumpur - Eindruecke aus der Malayischen Hauptstadt
Skyline, Twin Towers (die hoechsten Buerotuerme der Welt),
wunderschoene Parkanlage zentral in der Stadt gelegen, Reste
kolonialer Bauten im viktorianschen Stil wie der wunderschoene alte
Bahnhof und der Central Market, die Zentrale Moschee sowie auch hier
ein China Town. Damit ist vielleicht das aeussere Erscheinungsbild der
Hauptstadt Malaysias im Groben umrissen. Mit Indonesien gehoert
Malaysia zu den moslemisch gepraegten Staaten Suedostasiens, was
die Menge verschleierter Frauen deutlich zum Ausdruck bringt. Doch so
ganz, ganz ernst und genau nehmen es die Malayen nicht. Unter dem
Schleier tragen viele gerade junge Frauen T-Shirts, Jens oder kurze
Hosen. Die Religionen wie auch die unterschiedlichen Kulturen leben
hier recht friedlich nebeneinander her, haeufig getrennt nach Vierteln.
Gemischt wird auch hier eher nicht. Die Malayen, ein Teil der indisch,
und die arabisch Staemmigen sind zumeist Moslems. Andere Inder sind
Hindu oder Buddhisten. Eine weitere grosse Gruppe bilden die
chinesisch Staemmigen, zumeist Christen. Ueberall findet man Symbole
der verschiedenen Religionen. Die wunderschoene, grosszuegig
angelegte Zentralmoschee mit ihren luftigen, grosszuegig angelegten,
eleganten, hoch aufragenden Saeulenhallen, die man auch als Nicht-
Moslem zu bestimmten Zeiten und selbstverstaendlich verschleiert
besuchen kann. Das Innere, der Gebetsraum, bleibt dem Besucher
verschlossen. Einen kurzen Blick durch die offenen, grossen Portale
wurde mir jedoch gewaehrt. Sonnenlicht stroemte durch die intensiv
blauen und gelben Moscheen-Fenster und traenkte den runden
Innenraum in ein zauberhaftes goldblaues Licht. Es geht etwas sehr
Vereinnahmendes von diesem Raum aus. Neben dieser gibt es noch
zahlreiche weitere kleinere und groessere Moscheen. Der Muezin ruft
zum Gebet und mit geschlossenen Augen waehnt man sich fuer einen
Moment in einem arabischen Land. Neben Moscheen findet man auch
viele buddhistische Tempel und Gebetsstaende, groessere und kleinere,
buntrote Miniausgaben im Vorgarten oder am Strassenrand fuer den
Hausgebrauch. Raeucherkerzen und Kerzen brennen darin, Opfergaben
wie Ananas, Bananen, Suessigkeiten und anderes werden dazugelegt –
was wohl damit passiert? Ich habe bisher keine verfaulten Fruechte dort
liegen sehen und noch niemanden dabei beobachtet, es
wegzuraeumen ...

Sauberkeit und Ordnung wird in Kuala Lumpur bei weitem nicht so gross
geschrieben wie in Singapur. Waren das dichte Leben, die
unterschiedlichen Kulturen und das fremde Essen sowie das feucht-
warme Klima in Singapur die ersten asiatischen Erfahrungen fuer mich,
so ist dies wohl der naechster Schritt in Richtung echtes Asien! Die
Nahrungsumstellung haben bereits die ersten angefutterten Speckkilos
abgebaut, der Hygienezustand wird wohl sein Uebriges tun.

Das Stadtzentrum wird dominiert von den quirligen, bunten, engen und
geschaeftigen Nightmarkets von China Town. Stand and Stand so eng,
dass man sich wie eine Schlange hindurchwinden muss. In vier Reihen
entlang der Strassen, kaum Durchkommen fuer Fussgaenger, hier und
dort finden eine Mopeds dennoch den Weg durch das Gewuehl aus
kleinen Haendlerstaenden. Hier lebt das Plagiat: Faik Uhren von Gucci
bis Rolex, Taschenimitate von CK, Escada und Dior, Billigstausgaben
von Mont Blanc Stiften, Schmuck, Sonnenbrillen, Kleidung, Schuhe,
Kosmetik. Alles, was Rang und Marke hat, was sich so mancher schon
immer einmal leisten wollte und nicht konnte – hier gibt es eine lieblose
Billigversion in allen Varianten. Dahinter, dazwischen und daneben
Garkuechen, heiss brodelnd, geschaeftig kochend a la minute.
Nudelsuppe, gebratender Reis, Kokostartelets auf einer alten,
schmierigen, heissen Platte zu einem koestlichen Zwischensnak
gebraten, hmmm. Ich esse noch immer dort, wo die meisten Lokals es
tun, also die Nudelsuppe aus der Garkueche, den Kokossnack von dem
alten, fast schon blinden, mageren Chinesen, der mir immer erst sein
schlechtestes Modell andrehen will und dann entschuldigend nach
meinem Nachfragen das frischste Kuechlein auspackt. Es macht Spass,
hier durchzukreisen, auszuprobieren, neugierig und doch zoegerlich zu
testen. Von allen Seiten gibt es Angebote, ein kurzes “No, thanks” reicht
zur Ablehnung aus – sehr angenehm. Zwischen den Staenden steigt Duft
auf von brennenden Raeucherkerzen, Oelen und Fruechten, von
gegartem Essen und frischem Tee, aber dann wieder diese
erbaermliche Faeule, Kloakengeruch und sonstiger, bisher unbekannter
Verwesungsgeruch. In einer Garkueche haengen seit einigen Stunden
die Oktopussies bei 30 Grad im Schatten, sie werden auf Bestellung
zubereitet. Da komme ich noch nicht ran!

Ein Inder gesellt sich zu mir an den Tisch, Nayagam ist sein Name, wie
ich recht bald erfahre. Kontakt zu Einheimischen ergibt sich schnell als
Alleinreisender. Nach ca. 20 Minuten kenne ich nicht nur seinen Namen
sondern auch sein Alter, seine Beschaeftigung, seine Vorlieben. Er gibt
mir Reisetips fuer Malaysia (gut, denn ich habe keinen Reisefuehrer),
organisiert mir Bustickets, Borschueren und schenkt mir einen Dreifuss
fuer meine von ihm sehr bewunderte Digitalkamera, sehr hilfsbereit! Da
er Muenzsammler ist, wuenscht er sich von mir als Dankeschoen ein
paar Muenzen aus den asiatischen Laendern, die ich bereisen werde –
das laesst sich wohl einrichten!

Ich bin in einem schmuddeligen, billigen Guesthouse untergekommen.
Der Betreiber, ein Inder, ist sehr geschaeftstuechtig und betreibt
nabenbei eine Art private Reiseagentur. Jeder macht hier mit jedem
einen Deal, Verkauf von Bustickets, Arranagements anderer
accomodations mit Provision versteht sich. Habe mir den Luxus eines
attached bathrooms gegoennt, d.h. eigene Toilette mit Schauch zum
Spuelen und Duschen – wahlweise. Also auch hier heisst die Regel: erst
Toilette, dann Duschgang :-) Ein Fenster auf die Strasse fehlt leider,
dafuer habe ich einen Ventilator und ein twinbed, das ganze fuer 45
Ringgit die Nacht, ca. 10 Euro. Die Ameisen und kleinen Echsen stoeren
mich mittlerweile nicht mehr, Kakerlake finde ich nach wie vor eklig.
Nach 1-2 Tigers Bier (echter Luxus hier, 6 Ringgit eacht) werde ich
sicherlich gut schlafen. Dies wird nur eine kurze Zwischenstation auf
dem Weg in den Regenwald Taman Negara, der wohl aeltesten
Urwaelder der Welt im Norden Malaysias. Die Stadt ist insgesamt recht
uebersichtlich, meine Neugierde fuer Hochhaeuser und Stadte mehr als
befriedigt, es zieht mich in die ruhige, weite Natur.