Tatis Reisetagebuch
09.03.2003
Taman Negara - Erlebnisse im Regenwald
130 Mio. Jahre sei er alt, einer der aeltesten Regenwaelder der Welt, so
heisst es. Von KL bin ich heute morgen um 8 Uhr mit dem Bus
abgefahren in Richtung Kuala Tembeling. Von hier geht es mit dem
longboat 3 Stunden ueber den Fluss zum Camp. Longboats sind schmal
und recht flach im Kielbereich. Der Schwerpunkt ist niedrig, da die
Passagiere auf dem Boden sitzen. Die Seitenwaende reichen sitzend bis
auf Brusthoehe, so dass man sich mit guter Sicht bequem auf die
Stoffmatten flaetzen kann. So kann das Boot mit relativ wenig Tiefgang
ueber das z.T. sehr flache Wasser fahren, der Stroemung entgegen, z.T.
auch ueber kleinere Stromschnellen flussaufwaerts hinweg. Die
Schraube ist an einem langen Stab befestigt und macht einen
Hoellenlaerm.

Wir fahren in einer Gruppe flussaufwaerts und dringen tiefer und tiefer in
den Urwald ein. Der Fluss ist milchigbraun, hier und dort unterbrochen
von Felsbrocken und kleineren Sandbaenken. Rechts und links erhebt
sich wildes, dichtes Gruen, vereinzelt Palmen, hoch aufragende Baeume
umringt von wuesten Ranken, die sich z.T. wie eine Decke ueber
mehrere Baumkronen ziehen. Gruen in allen Varianten, hell und dunkel,
intensiv und blass, dicht und licht. Der Himmel scheint sich zusammen
zu siehen. Dichter und dichter werden die Wolken, dunkler ueber und
unter uns und dann geht es los .... Platzregen ist wohl ein Wort, das man
erst richtig versteht, wenn man im Regenwald eine volle Ladung
abbekommt, so wie wir gerade. Der Himmel zieht sich zusammen,
oeffnet dann unvermittelt seine Pforten und stoesst in einer
unglaublichen Menge alles Wasser der Erde auf einmal herunter. Die
Tropfen scheinen das Bootsdach durchbrechen zu wollen. Die Farbe ist
voellig aus dem ehemals milden Bild bewichen und eigentlich ist nur
einer gelassen – der Bootsmann. Vorsorglich hat er eine Plane ueber
unser Gepaeck gezogen, bevor die Goetter uns von oben ertraenken
wollten. Wir setzen unsere Reise fort. Der Regen ist schliesslich warm
und unausweichlich. Und dann wird es wieder klar, als haben wir uns
alles nur eingebildet. Regenwald, ja, dies verdient seinen Namen! In den
drei Stunden Fahrt sollte sich das Erlebnis noch 2mal wiederholen.
Willkommen im Busch!

Je tiefer wir in den Urwald reichen, desto haeufiger sehen wir Huetten
von Orang Asli am Ufer. Sie leben hier in jahrhunderte alter Tradition in
enger Verbindung mit der Natur. Sie leben vom Fischfang und der
Gewinnung von Baumoel. Manche verkaufen auch craftswork an die
Touristen im Hauptcamp. Longboats sind hier so weit das einzige
Verkehrsmittel, da der Fluss ausserhalb der Regenzeiten recht flach
werden kann.

Wir erreichen das zentrale Camp Kuala Tahan am Nachmittag. Am Ufer
liegen mehrere Bootsrestaurants, einfach, schlicht aber besonders
reizvoll. Dies ist ein kleiner gemischter Ort fuer Touristen und Malayen.
Es gibt eine kleine Schule, eine Polizeistation, viele ueber den Hang
verteilte kleine Ministores, Huetten und kleine Guesthouses. Es gibt viele
Tourveranstalter fuer die ueblichen Aktivitaeten wie Tubing, Canobywalk,
Nightwalk, Nightdrive, Hidesleep, Hikingtour, etc. Sie teilen sich die
vielen Touristen, die es hier mit begrenztem Budget in die Wildnis zieht.
Eigentlich ist mir das hier eine Nummer zu gross und zu touristisch. Da
die Jettys zum naechsten kleineren, privateren Camp flussaufwaerts erst
wieder morgen fahren, werde ich eine Nacht hier bleiben muessen.

Das Bleiben lohnt sich. Ich lerne Hamzah kennen, meine
Huettennachbar. Er ist der verantwortliche Elektriker fuer die
Stromversorgung der Camps hier und kuemmert sich gerade mit seinem
Team um den Ausbau der Stromversorgung. Wir sitzen vor meiner
Huette, trinken ein Bierchen und erzaehlen angeregt und interessiert bis
tief in die Nacht hinein. Er erzehlt von seiner Arbeit, von seiner Familie
und seinen beiden Kindern, fragt interessiert nach Orten und Kultur in
Deutschland. Und dann rueckt er mit der Sprache heraus. Er ist ein
absoluter Fussballfan, nennt mir alle Spieler der deutschen
Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 1972 in Muenchen und
weiss vom “Kaiser”, von Berti Vogts und Paul Breitner zu berichten. Wow!
Ich war richtig begeistert :-) Seine Tochter moechte gerne Medizin
studieren und er denkt darueber nach, ob er sie wahlweise nach
England oder Deutschland schicken kann – eine sehr interessante Idee,
wie ich finde. Wir tauschen die Adressen und er gibt mir noch ein paar
wertvolle Reisetips, u.a. Gleich am naechsten Morgen fluessaufwaerts
zum NUSA Camp aufzubrechen, was ich urspruenglich auch
beabsichtigte. Ich schlafe teif in meiner kleinen A-Hut. Mein Moskitonetz
und das Bett fuellen fast den ganzen Raum. Dummerweise will ich das
Bett etwas von der Wand wegruecken, was auf dem Boden den Blick auf
ein gruenliches, faustgrosses, Krebsartiges Tier freigibt. Ich beschliesse,
dass es nicht die glatten Metallbeine des Betts hochkrabbeln kann und
schlafe nach einer Weile ein.