Tatis Reisetagebuch
10.03.2003
Taman Negara - Herrliche Tage im NUSA Camp
Das Camp liegt etwas versteckt, auf einer zum Fluss gewandten Anhoehe, inmitten
des Dschungelgruens 15 min. flussaufwaerts von Kuala Tahan . Es ist recht
uebersichtlich, ruhig, familiaer und in irgendeiner Weise sehr friedlich. Das
scheint genau der Platz zu sein, den ich mir fuer einen Regenwald-Aufenthalt
wuenschte. Mit dem Longtailboat am Steg angekommen steigt man die steile Treppe
hoch zum kleinen Empfangszentrum, das durch eine breite, ca. 100 m lange
Haengebruecke vom Campbereich getrennt ist. Das Camp bietet verschiedene
Unterkuenfte. A-Huts, die ca. 6 qm kleinen Huettchen mit bis zum Boden
hinuntergezogenen Reeddaechern, groessere, etwas luxurioesere Challets und
Schlafsaele mit geteilter Badeinrichtung. Mein Huettchen ist niedlich, relativ
tierlos (nur ein Frosch, ein Gaecko und natuerlich einige Moskitos) und
verfuegt ueber ein attached bathroom. Das ist hier ein asiatisches Bad mit
Stehklo und Wasserhahn in Kniehoehe. Ein Topf zum Nachspuelen der Toilette und
ein Schlauch zum Reinigen des eigenen Intimbereichs ist links neben der
Toilettenschuessel angebracht, ein weiterer laengerer Schlauch ist die Dusche -
natuerlich nur eine Temperatureinstellung: kalt. Eine Duschwanne ist nicht
notwendig, auch Toilettenpapier ist nicht vorgesehen. Mein Nachtlager im
Moskitonetzkleid sieht aus wie ein Himmelbettchen und erfuellt fast den ganzen
Schlafraum - alles ausreichend fuer meine Bedarfe. Daneben gibt es im Camp ein
offenes Restaurant aus einer frei tragenden, luftigen Bambuskonstruktion, wie
eine Pergula ueber liebevoll aus Bambus und Holz geschnitzten Sitzgelegenheiten
und natuerlich den abgetrennten Kuechenbereich.

Ich fuehle mich sehr wohl hier. Nach den Stadterlebnissen kehrt nun endlich
wieder Ruhe und Frieden in mich und Phantasie und Aufnahmebereitschaft in
meinen Kopf. Die Temperaturen sind mit 30 Grad recht angenehm und auch die
Luftfeuchtigkeit empfinde ich eher als entspannend. Seit meiner Abreise aus
Deutschland wird meine Haut mit Feuchtigkeit aus der Luft verwoehnt und braucht
keine Creme mehr. Auf das Sonnen allerdings verzichte ich. Das intensive
Brennen aus dem Zenit fraest sich in meine Haut wie Laserstrahlen.

Viele Stunden sitze ich im Camp, plaudere mit anderen Reisenden und geniesse
die Schoenheit der Natur um mich herum. Die hoch aufragenden Palmen mit ihren
prallvollen Kokosstauden (Erschlagungsgefahr!), die saftig gruenen Buesche,
Rhododendron in Baumvormat und zwei bis drei Meter hohe Hisbiskusbaeume ...
Alles ist hier so viel groesser, so viel ueppiger und voller und waechst sich
in Windeseile. Das gilt natuerlich auch fuer das Uebel wie Bakterien und
Parasiten.

Ausser der phantastischen naturverbundenen Erfahrung bietet der Regenwald auch
einige Aktivitaeten. Der Canopy-walk ruehmt sich mit seinen 9
aneinanderhaengenden, von Baeumen getragenen Haengebruecken bis auf 45 m Hoehe
der weltweit laengste zu sein. Beeindruckend ist er allemale. Schmal, ca.
fussbreit das Brett, auf dem man balanciert, gehalten von dicken, bis zur
Taille hoch gespannten Seilen, ettliche Meter lang, durchhaengend, wackelig und
bei jedem Tritt leicht bebend nachgebend. Waehrend der ersten beiden Bruecken
musste ich mich noch krampfhaft an den Seilen festhalten, mir immer wieder
einredend, dass die Architekten sicherlich wussten, was sie taten, als sie die
Bruecke ohne Naegel naturlich nur mit Zwingen an den meterbreiten Baeumen
befestigten. Ab der dritten Bruecke hatte ich dann Vertrauen gefasst und konnte
langsam die 40 Meter unter mich blicken in das dichte Gruen der wild
durcheinander wuchernden Buesche und Baeume.

Unbedingt empfehlenswert ist auch der Nightwalk. In tiefer Dunkelheit Aufbruch
in einer kleinen Gruppe mit Guide in den tiefen Dschungel. Taschenlampen,
Wasser und festes Schuhwerk empfehlenswert. 'Nachts sind die Insekten aktiver
als am Tag, auch sollte es trocken sein, denn bei Regen ziehen sich die Tiere
zurueck' erzaehlt uns Atan, unser Guide, waehrend wir auf ein ca. 20 cm langes
stikinsect stossen. Das sind diese Schmal/Langausgaben der Gottesanbeterinnen,
sehr beeindruckend! Noch beeindruckender wurde es wenig spaeter, als wir auf
den Koerper und die zart behaarten Beine einer Tarantel stierten.
Gluecklicherweise war sie nicht besonders bewegungsfreudig und nistete in ihrer
seit 30 Jahren bewohnten Baumhoele. Wir hoffen, sie moege es noch eine Weile
dort gemuetlich finden. Um uns herum schwirren Gluehwuermchen und geben ihr
mildes gruenes Gluehlicht ab. Wie wir erfahren konnten fliegen nur die
maennlichen Gluehwuermchen, die weiblichen bleiben am Boden. Ausserdem sehen
wir noch Florus Fangus, fluoreszierende Laubblaetter, bei Licht betrachtet
voellig unauffaellig, laubig halt. Fuer einen Moment bleiben mit
ausgeschalteten Lampen im einer kleinen Lichtung sitzen und lauschen dem
Dschungel-Orchester. Gurren, Zwitschern, Summen, Zierpen, Klopfen, Fiepen,
Ziepen ... es ist ein unglaublich lautes, nahes, wildes und lebendiges
Geraeuschorchester inmitten dieser immergruenen Dunkelheit. Waehrend des
Lauschens krabbeln Ameisen um uns herum, Kaefer kitzeln an den Fuessen und der
ganze Koerper ist in aufmerksamer Anspannung.

Ein Spaziergang zu den Wasserfaellen am naechsten Tag hat ein ganz anderes Bild
des Regenwaldes vermittelt, obwohl wir den gleichen Weg wieder gegangen sind.
Die Tarantel hat sich (hoffentlich) in ihre Loch zurueckgezogen, sehen konnten
wir sie jedenfalls nicht mehr. Nach 1 1/2 Stunden Marsch durch den Dschungel
hatten wir ca. 2,5 km zurueckgelegt, die durchschnittliche Laufgeschwindigkeit
hier. Der kleine Wasserfall platschte froehlich in eine natuerliche
Riesenbadewanne, die uns gerade willkommen war. Mit verschiedenen Kreidesteinen
malte uns Asri in warmen rot-, beige- und brauntoenen Blumenbilder in die
Gesichter, noch heute gebraeuchliche Hochzeitsornamente der Orang Asli
(Ureinwohner im Busch Malaysias). Unterwegs lernen wir, wie Orang Asli Baumoel
gewinnen, indem sie die Baeume im unteren Bereich tief einschneiden und in
Brand stecken. Fuer ca. 250 Euro wir ein 50 Liter Fass dieses begehrten Oels
verkauft. Der Baum naehme dabei keine Schaden. Auf halbem Rueckweg stiessen wir
vor uns auf eine grasgruene Giftschlange (redhead pitviper), die erst nach
laengerem Stoeckchenwerfen den Weg wieder freigab.

Ein wunderschoener Abschluss des Tages war Tubing auf dem Fluss. Auf einem
riesigen Gummireifen sitzen lassen wir uns den Fluss hinab durch die kleineren
Stromschnellen und ungeschoren ueber die Flusssteine treiben, mal langsamer,
mal schneller. An den stromfreien Stellen versuchen wir uns auf die Reifen zu
stellen - wer 10 sec. stehen kann, bekommt eine Coke ... Es hat keiner
geschafft, aber es war unglaublich spassig und entspannend :-)

Unternehmen kann man im Dschungel eine Menge. Es gibt z.B. mehrtaegige
gefuehrte Touren durch den Dschungel, Uebernachtung in einer Hide (dem
Tierausguck), 4-wheel drive und ettliche Treckingtouren. Ich geniesse noch eine
Weile die Ruhe und Schoenheit des Ortes, bevor ich neugierig auf Neues die 3-
stuendige Flusstour antrete und beim Durchblaettern der Bilder auf dem Display
noch eine Weile das Erlebte geniesse.