Tatis Reisetagebuch
14.03.2003
Cameron Highlands - In der Teekammer Malaysias
Die Fahrt von Kuala Lumpur mit dem Bus ist sicherlich der einfachste, nicht
aber angenehmste Weg, in die Obst und Teekammer Malaysias zu gelangen. Sie
liegt ca. 250 km noerdlich von Kuala Lumpur und fuert ueber eine zunehmend
steiler und vor allem kurviger werdende Strasse. Unser Busfahrer ist einer von
jenen Draufgaengern, die man hier angeblich haufig antrifft. Ueberholen in
Kurven, Schneiden von Innenkurven ohne Einblick, Ueberholen vor einer Kuppe,
mit 120 in die Kurven,.... Nach 4 Stunden Achterbahn erreichen wir etwas gruen
im Gesicht Tanah Rata, ein kleines Oertchen inmitten der groessten Tee- und
Obstplantagen des Landes. Tanah Rata ist recht uebersichtlich, hat einige
Guesthouses zu bieten, entsprechend touristische Anlaufstellen wie Restaurants
und Minimarkets. Der Anteil der Touristen hier ist deutlich und praegt den Ort,
jedoch in einer noch angenehmen Weise.

Der Neuankoemmling ist hier nicht allein. Kaum angekommen, warten vor dem Bus
auch schon die Schlepper mit ihren bunten kleinen Werbezettelchen fuer ihre
Unterkuenfte. Ettliche dieser Zettel werden mir vor die Nase geschoben,
waehrend ich noch etwas benebelt versuche, meinen Rucksack ausfindig zu machen.
Kaum Entscheidungsspielraum. Hatte keinen Platz vorgebucht, lasse mich also von
einem sympathisch aussehenden Schlepper zu seinem Platz bringen. Nicht
akzeptabel, also weiter. Schliesslich bringt er mich in Fathers Guesthouse
unter, einem charmanten, auf einer Anhoehe kurz vor dem Ort gelegenen
Backpackers Inn. Saubere Zimmer, eigenes Bad, ein Fan und zum ersten Mal eine
Bettdecke. Die werde ich in den kuehlen Naechten der Bergregion auf 1.500 m
auch brauchen.

70 % der Beschaeftigten in den Cameron Highlands sind in der Landwirtschaft
taetig. Das sind vorwiegend Inder und Chinesen. Malayen sind fuer solch harte
Arbeit nicht zu haben, wie uns unser Tourguide wissen laesst. Hauptanbau ist
Obst verschiedener Sorten, Gemuese und vor allem Tee. Die Teeplantagen
durchziehen ettliche Taeler der Region und machen den eigentlichen
landschaftlichen Reiz der Bergregion aus. An extrem steilen Haengen zieren die
gerade gezogenen Buschreihen des Teebaums die Haenge, kleiden sie in einen
sanften, von weitem fast wollig wirkenden Teppich. Sie schmiegen sich entlang
der geschwungenen Formen der Berge, bis hoch hinauf, wo man sich beim Stehen
wegen des steilen Abhangs festhalten muss.

Mache eine Coutrytour mit. Tempel, Rosen-, Schmetterlings-, Erbeer- und
Bienenfarm und schliesslich ein Obst- und Gemuesemarkt - zum Einkaufen
natuerlich :-) Die Fuehrungen sind eigentlich mehr ein Taxiservice,
Erlaeuterungen gibt es naemlich kaum und wegen der vielen Stationen hat man
natuerlich auch nicht so viel Zeit. Ich geniesse das ruhige Schlendern duch die
Plantagen und Farmen und mache viele Fotos. Leider reduziert das meine ohnehin
schon langsame Geschwingkeit noch mehr, so dass der Bus mehrmals auf mich
warten muss. Ein freundliches Laecheln hilft die ersten Male ueber meine
Verzoegerung hinweg. Nunja.

Die Tour war recht nett. Auf die Bienenfarm habe ich verzichtet - werden schon
nicht dramatisch anders aussehen als die in Europa. Habe mir dafuer mehr Zeit
fuer den Markt genommen. Die Fruechte werden hier wirklich neu definiert.
Orangen aus Malaysia sehen aus wie aufgeblasene Limonen, rauhe Oberflaeche und
gruengelblich, faustgross, unsere Orangen hingegen sind hier Mandarinen. Ganz
ungewoehnlich sehen hier Aepfel aus. Sie haben eine gelblich blasse,
milchige,weiche Haut und sind mit leichten gruenen Schatten ueberzogen. Die
Form gleicht eher einer geschrumpften Honigmelone. Geschmacklich eher neutral,
waehrend die Orangen recht saftig schmecken. Sehr reizvoll auch die Lovefruits,
wie grosse Pflaumen, etwas roetlichere und festere Haut. Sie werden
ausgezutzelt, also nicht im Ganzen gegessen.

Die Teeplantagen haben mich hier wirklich fasziniert. Ich wollte sie unbedingt
im Morgennebel sehen! Und so habe ich mir Matthias fuer 6 Uhr am Morgen ein
Taxi zum hoechsten Punkt der Cameron Highlands auf 2000 m organisiert - es sein
das erste Mal, das jemand so etwas wolle, meinte der Taxifahrer. Es ist recht
kuehl und dunkel, aber der Himmel ist recht klar zu Beginn. Nach 45 min.
kurvenreicher Fahrt auf den Gipfel finden wir uns mitten im Nebel wieder.
Zunaechst Enttauschung - der Weg umsonst? Wir haben Glueck. Waehrend noch im
Dunkeln die dichten Wolken den Berg haraufgepeitscht werden, kommt zaghaft das
Licht hinter dem Berg hervor. Die Wolken loesen sich zu Nebelschwaden und geben
langsam den Blick ins Teetal frei. Waehrend die Sonne sich roetlich hinter dem
gegenueberliegenden Berg hervorschiebt, werden die Konturen der Berge langsam
sichtbar, weich in duenne Schwaden getaucht um dann im Rotgelb der Sonne und
der feuchten Oberflaeche zu ergluehen. Es war ein wunderbares Naturspektakelt.
Selbst unser Taxifahrer war beeindruckt. Er habe es nie so schoen gesehen,
zumeist laege der Berg hier eigentlich im Neben. Auf der Abfahrt haelt er nocht
einige Male an schoenen Aussichtspunkten, um meine fast kindische Freude am
Fotografieren zu befriedigen. Als wir um 8 Uhr wieder im Guesthouse ankommen,
zeigt mir eine Angestellter ein Foto von den Teeplantagen im Morgennebel. Ich
kommte ihm versichern, dass ich es gerade noch sehr viel beeindruckender und
malerischer gesehen haben.

Matthias und ich machen noch einige ausgedehntere Spaziergaenge in der
Hoffnung, noch einige Blicke auf Teeplantagen erwandern zu koennen.
Fehlanzeige, falsche Route. Dafuer stolpern wir aber mitten in ein Dorf von
Orang Asli, den Ureinwohnern Malaysias, die hier noch in ihrer recht
traditionellen Weise leben. Wir wandern durch das Dorf mit recht gemischten
Gefuehlen. Das Leben findet hier vorwiegend draussen statt. Die hoelzernen
Stelzenhaeuser haben grosse, zumeist offene Tueren und bieten ein wenig
Einblick ins karge, dunkle Innere. Wir sind mitten in ihre Privatsphaere
gestolpert und fuehlen uns nicht besonders eingeladen. Die Reaktionen auf uns
sind sehr unterschiedlich von freundlich und auffordernd laechelnd bis zu
abweisenden und abgewandten Blicken. Wir durchqueren die Siedlung, um nicht den
langen Weg zurueck zu laufen, aber wohl ist und nicht.

Eine andere Begegnung waehrend unserer Wanderung war dafuer sehr viel
amuesanter. Steiler Abhang mit tiefem, matschigem Untergrund, durchbohrt von
Schotter und Geroell. In eine der steilen Kurven ist ein Pickup umgekippt,
offensichtlich auf das Dach gefallen, wieder umgekippt, sieht ziemlich
demoliert aus. Fuenf Maenner stehen drumherum und versuchen den eingefahrenen
Wagen zum Laufen zu bringen. Ein Fahrer sitzt drinnen, geduckt unter dem
eingedrueckten Dach und versucht den Karren zu starten. Sie schieben von vorne,
den Wagen richtung steilen Abhang hinunter, um den Anlasser zu ueberlisten.....
Wir bieten unsere Hilfe an, aber das wird wohl noch etwas laenger dauern.

Die Nacht ist kuehl, aber die Decke waermt und es gibt eine warme Dusche -
meine erste, seit ich Singapur verlassen habe :-) Morgen werden wir in
wahrscheinlich magenaufreibender Tour diesen Ort wieder verlassen in Richtung
Nordwestkueste. Meer und Wasser endlich :-)