Tatis Reisetagebuch
15.03.2003
Malaysias Norden - Von den Cameron Highlands nach Penang
Frueh am Morgen geht es mit dem Bus aus der malerischen Landschaft der Cameron
Highlands 6 Stunden Richtung Norden nach Penang, der groessten Insel Malaysias
an der Nordwestkueste. Die Fahrt fuehrt durch die wunderschoene Bergregion in
engen und steilen Serpentinen, vielen Haarnadelkurven und engen, aber recht
guten Strassen. Die Fahrt erinnert etwas an die letzten Kilometer hinauf nach
Navono. Jede Kurve gibt einen anderen, neuen Blick ins Tal frei. Dichter
Regenwald draengt sich an den Haengen, ueppig, saftig, manche Taeler
geschmueckt mit dem weichen Kleid der Teeplantagen. Die morgentlichen
Nebelschwaden steigen langsam auf, die vordringende Sonne wird von dem noch
feuchten Blattwerk der Baeume und Straeucher glitzernd zurueckgeworfen.
Vereinzelt saeumen die beschaulichen Huetten der malayischen Ureinwohner den
Strassenrand und vermitteln den Eindruck, irgendwie ganz weit draussen zu sein.
Die stelzernen Holzhaeuschen der Orang Asli sind geschickt an die steilen
Haenge gebaut, mit Holzlatten, Wellblech oder auch Ried bedeckt, teilweise
einzeln, teilweise in kleinen Gruppen von 4-8 Huetten stehend. Hier und dort
sitzt ein Orang Asli auf der Veranda seiner kleinen Huette, unbeeindruckt von
dem rauschenden Verkehr, der an ihm staunend vorueberschmettert.

Der Busfahrer laesst ordentlich laufen und legt den mueden Kleinbus in die
Kurven, als wolle er den groesstmoeglichen Neigungswinkel austesten. Die
Inderin schraeg vor mir packt ganz beilaeufig mit gezieltem Griff ein grosses
Taschentuch und eine leere Plastiktuete aus ihrer kleinen Reisetasche – nicht
umsonst, wie sich bald zeigt. Der Bus wirft sich weiter in kurzen Rhythmen von
links nach rechts, Blumen, Tueten und kleine Gepaeckstuecke fliegen aus den
oberen Ablagen und schlagen wie Geschosse auf uns nieder. Nur langsam
entscheiden ihre Besitzer, sie herunter zu nehmen und uns aus dieser
Gefahrenzone zu befreien.

Mein Magen geht auch langsam in die Knie. Gluecklicherweise sitze ich etwas
weiter hinten im Bus und muss so die Ueberholmanoever des Fahrers in den
Haarnadelkurven nicht mit ansehen. Die Abstaende zwischen den Kurven werden
laenger, das Gefaelle flacher. Bald haben wir das Tal erreicht, was das
Fahrverhalten jedoch nicht merklich beeinflusst. Auch auf der Geraden gibt es
Kurven, oder es lassen sich welche daraus machen. Im Bus macht sich langsam ein
saeuerlicher Geruch breit. Kaum vorstellbar, dass das 6 Stunden so gehen soll.
Nun, wir werden auch dieses Mal wieder heile ankommen. Alle 1 Stunden gibt es
eine kurze Pause. Die Inderin vor mir nimmt langsam wieder Farbe an, dieses
wunderschoene, natuerliche Schokoladenbraun – steht ihr viel besser als gruen.